Gedanken zum digitalen Wandel in den Unternehmen

Treiben wir den Wandel voran oder werden wir getrieben?

Eine Feststellung ganz am Anfang: Der digitale Wandel passiert - ganz gleich, ob man diese Entwicklung begrüßen mag oder ihr mit Skepsis gegenübersteht. Während viele Entscheider überhaupt noch nicht sicher sind, was denn diese Digitalisierung bedeuten möchte, ist dieser Wandel bereits unaufhaltsam im Gange. Was wir öfters davon in den Medien als Hype-Themen lesen – von Uber, über Amazons Alexa bis Airbnb – ist dabei nur die kleine Spitze des Eisberges – mit großem Medienecho zwar, aber dennoch nur ganz kleine Aspekte des großen Ganzen. Die großen Konzerne á la Google, Amazon usw. stehen im Fokus; der eigentliche digitale Wandel findet jedoch weniger beachtet in den smarten Start-Ups und den innovativen Unternehmen des Mittelstandes statt. Hier wird der grundsätzliche Umbruch vorangetrieben.

Keine Branche kann sich verschließen

Das schafft früher oder später einen gewissen dynamischen Flächendruck, mit dem Ergebnis, dass alle Unternehmen nicht nur dazu gezwungen werden, ihre Prozesse zu optimieren, sondern natürlich auch ihre bisherigen Geschäftsmodelle kritisch zu hinterfragen. Kein Unternehmen und keine Branche wird sich den Veränderungen aufgrund digitaler Innovationen dauerhaft verschließen können. Dazu kommt, dass die beschriebenen disruptiven Auswirkungen moderner Prozesse sich unglaublich schnell entwickeln. Mögliche Reaktionszeiten der klassischen Wirtschaft auf diese Veränderungen werden immer kürzer. Entscheider in Unternehmen sind hier also mehrfach gefragt und werden gezwungen, immerfort in mehrere Richtungen zu denken. Die drei entscheidenden Fragestellungen im Mittelstand sind demnach:

  • Wie kann ich meine Prozesse im Unternehmen in der Produktion, im Lager und in der Zusammenarbeit mit meinen Lieferanten und Kunden so gestalten, dass sie digital, durchgängig, smart und transparent sind?
  • Wie kann ich mein Geschäftsmodell so gestalten, dass ich mein Unternehmen zukunftssichernd aufstellen kann?
  • Wie kann ich meine Vermarktungs- und Vertriebsprozesse so ausrichten, dass ich den geänderten Nutzungs- und Anfrageverhalten gerecht werde?

Wer diese Fragestellungen kritisch analysiert, wird zum Schluss kommen, dass hier agieren besser ist als reagieren. Sich mit den Veränderungen befassen und sich den Herausforderungen stellen, wird allemal besser sein, als darauf zu vertrauen, dass Altbewährtes auch weiterhin funktionieren wird. Sich dem Wandel verweigern, wird mittelfristig funktionieren, als dauerhafte Lösung jedoch nicht praktikabel sein. Schauen wir in die Wirtschaftsgeschichte, so ist klar zu ersehen, dass immer die Unternehmen ihren Fortbestand sichern konnten, die rechtzeitig neue Trends erkannt haben und ihre Politik entsprechend ausgerichtet haben.

Offenheit ist gefragt

Offenheit ist gefragt. Der renommierte amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Zukunftsforscher Erik Brynjolfsson wies in einem Interview darauf hin, dass diejenigen Unternehmen den digitalen Wandel überleben werden, die mit der Technologie eine Kooperation eingehen. Maschinen und Computern werden repetitive Routinearbeiten überlassen; der Mensch muss nach wie vor den kreativen, planerischen, strategischen Teil übernehmen. Brynjolfsson ist der Meinung, dass beide gemeinsam ein unschlagbares Team bilden könnten.

Der digitale Wandel ist also auch ein Kulturwandel, der Unternehmen auch nach innen tiefgreifend verändern wird. Digitale Prozesse greifen auch intern bestehende Strukturen an und werden diese unweigerlich aufbrechen und verändern – wenn nicht heute, dann mittelfristig. Voraussetzung eines solchen digitalen Kulturwandels muss eine übergreifende Idee, eine abgestimmte digitale Strategie sein. Eine Strategie, die den Bezugsrahmen für alle Geschäftsbereiche bildet. Danach kommt es auf eine klare Kommunikation der Prozesse an. Hier sind wieder die Entscheider gefragt: Vom Top-Management muss der Nährboden geschaffen werden, auf dem sich das Unternehmen selbst und die Unternehmensbereiche neu erfinden.

Die Daten sind der Schatz

Der Kernschatz der Digitalisierung werden die Daten sein. Nicht umsonst spricht man hier vom Erdöl der Zukunft. Und überall fallen diese Daten an – es gilt nur, sie zu erkennen und sinnvoll zu nutzen. Das Erkennen der Potentiale gehört zur Strategie – das Nutzen zu den handwerklichen Fähigkeiten. Doch anders als beim Rohstoff Erdöl, sind Daten überall zu finden: an den Maschinen in der Produktion, in der internen Lagerlogistik, im Vertriebsprozess usw. usf.  Daten sind der Schatz des Unternehmens und fallen in Größenordnungen an. Sie sind einfach vorhanden und warten nur darauf, genutzt zu werden. Aus „Big Data“ muss zwangsläufig „Smart Data“ werden. Gemeinsam mit dem Rohstoff Erdöl ist es den Daten im Unternehmen jedoch, dass diese im Rohzustand noch nicht ihren ganzen Nutzen bringen. Erst die richtige Analyse der Daten, ihre Anreicherung und Veredelung bringt die Erkenntnis und bildet die Grundlage dafür, wie Unternehmen sich digital aufstellen können. Softwarewerkzeuge können hier ein erster Schritt sein, den rohen Stoff in eine verwertbare Information zu verwandeln.

Unternehmen müssen sich neu erfinden

Am Ende müssen sich die Unternehmen eigentlich neu erfinden: Was sind meine Grundlagen? Welche Daten habe ich zur Verfügung? Wie kann ich diese veredeln? Wie finde ich meine Kunden oder wie finden diese mich?

Ist der Mittelstand damit nicht überfordert? Die Antwort lautet: Nein! Denn immer noch ist die Schnelligkeit in den Entscheidungswegen, die Dynamik der Geschäftsprozesse und die Anpassungsfähigkeit das große Plus des Mittelstandes. Es gilt nur, die Augen offen zu halten und zu agieren, statt zu reagieren. Dabei ist es auch sinnvoll, sich abzuschauen, wie die großen Player der Digitalisierung es machen: Wie findet Amazon seine Kunden? Wie erwirtschaften Uber und Google ihr Geld? Und wie gehen große Anbieter wie beispielsweise SAP den digitalen Wandel an?

Der digitale Weg wird die Unternehmenslandschaft nachhaltig verändern. Veränderung wird zum Normalzustand. Wichtig ist, sich dem nicht zu verschließen, sondern die darin enthaltenen Chancen zu erkennen. Und es ist eine heute noch gültige Weisheit von Laozi aus dem Tao Te King: „Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt.“