Die Überlebenden des Digitalen Darwinismus

Auf der Fujitsu World Tour gab es dieses Jahr wieder viele spannende Vorträge. Herausgreifen möchte ich die Keynote von Karl-Heinz Land zum Thema des „Digitalen Darwinismus“. Kernbotschaft darin: Es findet gerade eine digitale Disruption statt, bei der einige auf der Strecke bleiben werden. Die Aussage ist nicht aus der Luft gegriffen: viele Unternehmen geraten bei solchen sprunghaften (und meist unerwarteten) Umbrüchen immer wieder in Schwierigkeiten; manche verschwinden ganz, andere werden in die Rolle eines Nischenanbieters gedrängt. Gerade die letzten Jahrzehnte zeigen eine Vielzahl solcher Beispiele, wenn auch Disruptionen in der Wirtschaftswelt schon öfters die Anbieterlandschaften völlig neu sortiert haben.

Was in der Keynote Karl-Heinz Land allerdings klar wurde, ist der Umstand, dass dieser jetzt stattfindende digitale Umbruch unser Leben und unsere Lebensweise stärker beeinflussen wird, als alle großen Veränderungen davor – die industrielle Revolution eingeschlossen. Hier müssen Unternehmen umdenken: Der Hang zur Stabilität wird stetiger Agilität weichen.

Lands drei Kernthesen sind:

  • Alles was sich digitalisieren lässt, wird auch digitalisiert werden.
  • Alles was sich vernetzen lässt, wird auch vernetzt werden.
  • Alles was automatisiert werden kann, wird auch automatisiert werden.

Dem ist nichts entgegenzusetzen. Das findet gerade statt. Die Digitalisierung wird sich weder bremsen noch verhindern lassen. Die einzigen relevanten Fragen, die am Ende übrig bleiben werden, sind: Wie gehe ich als Entscheider im Unternehmen damit um? Wie kann ich mich aufstellen, um mein Unternehmen zukunftssicher zu machen? Und wie kann ich vor allem aus der digitalen Transformation für mein Unternehmen profitieren?

Die Ressourcen, die dafür notwendig sind, sind vorhanden: Rechenleistung, Speicherkapazitäten, Vernetzung. Es ist alles da, was Welt für die Digitalisierung benötigt wird. Warum also warten?

Aber wie starten? Das ist die Frage, die viele Unternehmer umtreibt. Dabei richte ich meinen Blick nicht so sehr auf die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens, sondern vor allem auf die Art und Weise wie produziert, wie gelagert und wie logistisch operiert wird. Die Lösung liegt in den kleinen Schritten. Ich möchte hier Hermann Hesse zitieren: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Also: einfach beginnen! Die größten Potentiale liegen immer in den Daten. Diese gilt es zu vernetzen, zu analysieren und zu nutzen. Big Data zu Smart Data.

Doch was sind meine Daten überhaupt? Zuerst denken wir dabei wohl an Daten aus unseren Softwaresystemen. Vergessen werden bei dieser Sichtweise aber häufig die Bewegungsdaten unserer Produkte oder unserer Ladungsträger im Lager oder in der Produktion. Das ist der wahre Schatz! Dieser Schatz will nur noch gehoben werden. Ansatzpunkte können hier beispielsweise RFID, Middleware-Lösungen oder Webservice bieten, die diese Daten erst einmal erheben, filtern, verarbeiten und verteilen. Die Analyse bleibt dann betriebswirtschaftlichen Softwarelösungen wie beispielsweise einem ERP-System, der Business Intelligence oder einer Performance Management Lösung vorbehalten. Wer so sukzessive und Schritt für Schritt in die Digitalisierung startet, schafft sich eine Basis für eine unternehmensübergreifende Flexibilität.

Was dabei herauskommt? Unternehmen sind mit ihren Prozessen bereit für die Digitalisierung – die digitale Produktion, die digitale Lagerlogistik und die Digitalisierung der Lieferkette. Und so schließt sich der Kreis: Wer sein Unternehmen so strafft, wird die Digitalisierung als Chance betrachten und stellt sich entsprechend auf. So wird der digitale Darwinismus nicht zur Bedrohung, sondern zum Sprungbrett in die Zukunft.

 

P.S.: In meinen anderen Beiträgen bin ich bereits auf verschiedene Aspekte zum Thema des digitalen Wandels eingegangen. Siehe dazu unter anderem „Gedanken zum digitalen Wandel in den Unternehmen“, oder aber auch „Was der Rollfilm mit ihrem Unternehmen zu tun hat?